Orte Paul Celans

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„Was spielen Sie da ?“, fragte mich der Mann mit tiefer sonorer Stimme. Etwas überrascht schaute ich vom Griffbrett meiner Gitarre auf und sah in die Augen eines älteren Herrn. „Ich übe eine Fuge von Johann Sebastian Bach“, antwortete ich. „Was ist eine Fuge?“ Ich erklärte es, so gut es ging, mit einfachen Worten.
Er zog einen Zettel aus der Jackentasche und legte ihn vor mich hin. „Todesfuge“ von Paul Celan. „Was ist daran eine Fuge?“ Ich schaute auf das Blatt, überflog das Gedicht und war überwältigt. Ohnehin hatte ich außerhalb meiner Schulzeit kaum Erfahrung mit Lyrik gemacht, aber dieses Gedicht überforderte mich. Bei allem Unverständnis brannten sich einige Zeilen in mein Herz: „Schwarze Milch der Frühe“ ... „der Tod ist ein Meister aus Deutschland“ ...
Das war 1982. Ich absolvierte am Goethe-Institut in meiner Heimatstadt Iserlohn den Zivildienst und an einem der Nachmittage, an denen ich auf Studenten wartete und mir bis dahin die Zeit mit Gitarreüben vertrieb, begegnete ich also erstmals einem Gedicht Paul Celans. Seitdem hat mich diese Lyrik nicht mehr losgelassen. Ich begann alles, was ich finden konnte, von und auch über Celan zu lesen; beschäftigte mich mit seinem Leben und mit seinen Gedichten.

1989 widmete mir der Komponist Martin Herchenröder ein Stück für zwei Gitarren über vier Gedichte von Paul Celan. Eine ganz außergewöhnliche, etwa 20-minütige Komposition mit dem Titel „Ton - Gitter - Sprach - Suche“, die ich seitdem immer wieder in die Programme des Gitarrenduos mit meiner kanadischen Frau Dale Kavanagh aufnehme. Die Reaktionen auf die vier Stücke im Zusammenhang mit den Gedichten sind in aller Welt ähnlich. Obwohl es sich um sehr abstrakte, rhythmisch äußerst komplexe, nicht „melodiöse“ Musik handelt, sind die Menschen tief beeindruckt von der Ernsthaftigkeit und dem Ausdrucksspektrum. Herchenröders Komposition kann in ihrer Präzision und künstlerischen Ökonomie neben den Gedichten bestehen.

Fast genau 20 Jahre nach meiner ersten „Celan-Begegnung“, fuhr ich nach Paris, um die letzten Stationen des Dichters zu besuchen:

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