„Du kennst meine Verfassung. Du weißt, wie es dazu gekommen ist, die Ärzte haben da viel zu verantworten, jeder Tag ist eine Last....die Zerstörungen reichen bis in den Kern meiner Existenz. Man hat mich zerheilt.“ (Siehe auch Briefwechsel Paul Celan - Ilana Shmueli, Suhrkamp 2004. Herausgegeben von Ilana Shmueli und Thomas Sparr)

Es gibt für seinen Tod daher wohl keine andere Erklärung als den Selbstmord. Wahrscheinlich stürzte er sich vom Pont Mirabeau, der seiner letzten Wohnung so nahe gelegenen Seinebrücke in den Tod. Er hinterließ keinen Abschiedsbrief, doch auf seinem Schreibtisch fand man die an besonderer Stelle aufgeschlagene Hölderlin-Biographie von Wilhelm Michel in der Clemens von Brentano zitiert wird. „Manchmal wird dieser Genius dunkel und versinkt in den bitteren Brunnen seines Herzens“, hatte Celan dort angestrichen. Daneben lag seine Uhr, und er hatte zu Gisèle einmal gesagt, fände man eines Tages seine Uhr, dann sei er nicht mehr hier. Tragische Ironie: Celan hatte in seiner Jackentasche noch Eintrittskarten für eine Theatervorstellung zu „Warten auf Godot“, die er mit seinem Sohn Eric besuchen wollte, die er aber ebenso abgesagt hat wie eine Begegnung mit Beckett, zu der ihn sein Freund Franz Wurm anregte.

Schon ab 1943 ist die Sehnsucht erkennbar, sich mit der toten Mutter und den unzähligen unschuldigen Opfern des Naziterrors zu vereinigen. In dem frühen Gedicht „Winter“ heißt es:

„Was wär es, Mutter: Wachstum oder Wunde -
versänk ich mit im Schneewehn der Ukraine?“

Und in seinem Gedicht „Was geschah“ aus „Die Niemandsrose“ heißt die Schlusszeile:

„Schwerer werden. Leichter sein.“

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