Orte Paul Celans

Ihrem Wiener Freund Hans Weigel gesteht Ingeborg Bachmann, dass der Versuch eines gemeinsamen Lebens „strindbergisch“ wurde, man habe sich „gegenseitig die Luft“ genommen. (Siehe auch: „Herzzeit“ - Briefwechsel Ingeborg Bachmann - Paul Celan, Suhrkamp 2008. Herausgegeben und kommentiert von Bertrand Badiou, Hans Höller, Andrea Stoll und Barbara Wiedemann.)

1952 heiratet Celan die aus adligem katholischem Elternhaus stammende Graphikerin Alix Marie Gisèle de Lestrange, mit der er zwei Kinder hat: Francois (er stirbt nach 30 Stunden - ein Ereignis, das in dem Gedicht „Grabschrift für Francois“ seinen erschütternden Niederschlag findet) und den 1955 geborenen Claude Francois Eric, der in Paris als Äquilibrist, Zauberer und Feldenkrais-Lehrer unter dem Namen Eric Celan lebt.

Bald nach Erscheinen seines ersten Gedichtbandes „Mohn und Gedächtnis“ (1952) wurden Celan in Deutschland zahlreiche bedeutende Preise verliehen: der Literaturpreis des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (1956), der Literaturpreis der Hansestadt Bremen (1958), der Georg-Büchner-Preis (1960), sicher die bedeutendste Literatur-Auszeichnung in Deutschland, und der Große Kunstpreis des Landes Nordrhein-Westfalen (1964). Zu zahlreichen Auszeichnungen hatte er, dem natürlich auch der sich liberal gebende Antisemitismus suspekt war, ein gespaltenes Verhältnis, und er empfand sie oft als „Alibi-Preise“, die ihm verliehen würden, damit man ihn nachher „umso besser heruntermachen könne“.

Von 1959 an arbeitet Celan als Lektor für deutsche Sprache an der renommierten École Normale Supérieure in der Rue d'Ulm, und er etabliert für sich und seine Familie in der Vier-Zimmer Wohnung in der Rue Longchamp so etwas wie eine bürgerliche Existenz.

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